Mittwoch, 3. Mai 2017

[BUCHREZENSION] Der letzte Film des Abraham Tenenbaum






Tom weiß nicht, was das für ein Mädchen ist, das an einer Kreuzung mitten in Brooklyn plötzlich hinter ihm auf seinen Roller springt und ihn bittet, einen Fremden zu verfolgen: Zoe Tenenbaum wird seit einigen Tagen von einem Unbekannten bedroht. Er verlangt eine Filmrolle aus dem Nachlass ihres Großvaters, der vor kurzem gestorben ist und ein kleines Programmkino besaß. Welche Bilder muss dieser Film enthalten, dass er für den Fremden eine solche Bedeutung hat?

► Deutsche Originalausgabe ► Autor/in: Christoph Marzi ►Buchreihe: Einzelband 
► Verlag: Arena ► Seiten: 288 ► Gebundene Ausgabe, ohne Schutzumschlag - 14,99€ 
► Kaufen: bei Amazon /beim Verlag



Ich bin schon lange ein sehr großer Fan von Christoph Marzi und habe mich sehr gefreut, als angekündigt wurde, dass ein neues Jugendbuch von ihm bei Arena herauskommt. Der letzte Film des Abraham Tenenbaum erzählt eine Geschichte, die typisch Marzi ist: Ein Mysterium, das es zu ergründen gibt, eine Reise zu den Dingen, die wirklich wichtig sind und eine schön-dezente Liebesgeschichte am Rande. Sein neuster Streich hat mir aus vielen Gründen besonders gut gefallen. Wer schon mal einen "Marzi" gelesen hat weiß, dieser Autor hat eine ganz eigene Art Geschichten zu erzählen. Ein bisschen Wortkünstler, Metapher-Liebhaber und Poesie steckt in jedem seiner Sätze und die machen das Lesen gerade so schön. Das ist immer Geschmackssache, aber mir persönlich gefällt sein Stil sehr gut. Man kann sich immer darauf verlassen, dass ANDERS hier groß geschrieben wird.

In dem Buch stehen Tom und Zoe im Vordergrund. Tom weiß noch nicht so wirklich etwas mit seinem Leben anzufangen, jobbt und lebt so vor sich hin. Pläne hat er keine, Hauptsache einen Schritt vor den anderen setzen. Zoe ist da ganz anders. Ihr Großvater, dem ein altes Kino gehört, ist vor kurzer Zeit gestorben und es gibt nicht mehr viel, was sie zu Hause hält. Doch sie weiß wie viel das Kino ihrem Großvater bedeutet hat und setzt alles daran, es weiter am Laufen zu halten. Durch einen Zufall - oder Schicksal - kreuzen sich die Wege der beiden. Zoe verfolgt einen Mann, der etwas aus dem Kino gestohlen hat und ehe Tom sich versieht sitzt sie auf seinem Roller und er wird in die Geschehnisse verwickelt. Angeblich besaß Zoes Großvater einen wertvollen, einzigartigen Film, hinter dem nun einige Leute her sind. Was ist also das Geheimnis des letzten Films von Abraham Tenenbaum?

Die Geschichte ist ein Mix aus Mystery und Contemporary. Zunächst lernen wir die Figuren besser kennen  - und mögen. Ich fand sowohl Tom, als auch Zoe wundervoll. Es gibt wirklich keinen deutschen Autor, der so gut eine männliche Perspektive schreiben kann, wie Christoph Marzi. Seine Charaktere sind mir jedes Mal sympathisch und ich mag es sehr gerne, dass hier mal keine Mädchen die Hauptrolle spielen. Das hat man sonst ja in jedem Jugendbuch, was einem so unter die Nase kommt. Zoe als Love-Interest war auch klasse. Sie ist ein offener, willensstarker und abenteuerlustiger Mensch und hat auf eine gewisse Weise perfekt zu Tom gepasst. Die Liebesgeschichte der beiden wird in sachten Tönen erzählt. Kennenlernen. Freundschaft. Verlieben. Realistisch und einfach schön!

Ich hatte beim Lesen auch stets das Gefühl, dass der Plot gut durchdacht war. Wir jagen zwar nicht von einem Ereignis zum nächsten, aber die ruhige Atmosphäre hat die Orte, die wir zu Gesicht bekommen dadurch viel mehr in mein Gedächtnis gebrannt. Alles ist sehr schlüssig und logisch erklärt, entwirrt sich wie ein Rätsel durch einzelne Teile, die langsam zusammengeführt werden. Und alles war mit der Liebe zu Filmen im Ganzen verbunden. Die Dialoge zwischen Tom und Zoe waren sehr interessant und witzig! Ich habe sogar noch das ein oder andere über Kinos, Filmemacher und das Medium an sich gelernt.

Gegen Ende nimmt das Buch ordentlich an Fahrt auf. Einige Wenden erahnt man vielleicht schon, aber die Auflösung hat mich doch überraschen können. Die letzten Züge des Buches waren schön in sich abgeschlossen und lassen mit einem zufriedenen Lächeln zurück.


Der letzte Film des Abraham Tenenbaum ist eine poetisch erzählte Geschichte über zwei Menschen, deren Wege sich kreuzen und die dabei ein großes Rätsel der Vergangenheit lösen. Schön atmosphärisch, ein bisschen verträumt und allem voran toll zum Mitfiebern ist dieses Buch ein "klassischer Marzi", der mit sympathischen Figuren und toller Story überzeugt. Wenn jemand mit seinen Contemporary Geschichten gegen den Strom schwimmt dann Christoph Marzi. Und genau deshalb lese ich seine Bücher so gerne!



1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Beim ersten flüchtigen Blick auf das Cover hätte ich nie damit gerechnet, dass es ein Buch von Christoph Marzi ist! :-) Aber es klingt dann doch nach einem typischen Marzi, und das reizt mich daran – ich will eigentlich schon ewig mal wieder was von dem Autor lesen, das ist Jahre her.

    Sehr schöne Rezension, da bekommt man doch direkt ein gutes Gefühl für das Buch. Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka
    mikka@mikkaliest.de

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