Sonntag, 22. Dezember 2013

[BUCHREZENSION] Speechless


Titel: Speechless
OT: Speechless
Autor/in: Hannah Harrington
Genre: YA, Contemporary
Buchreihe: Nein!
Quelle: Danke an den Verlag!









Hannah Harrington stammt aus Michigan, wo sie mit einem Hund und zu vielen Katzen wohnt. Wenn die junge Autorin nicht gerade schreibt, geht sie gern reiten, diskutiert über Politik, schaut sich Dokumentarfilme an und spielt – ziemlich schlecht – Gitarre. Mehr über Hannah Harrington unter hannahharrington.blogspot.com, facebook.com/hannahharrington und unter Twitter @hharrington.



Deutsch
Broschiert/ 12,99€
Seiten: 300
Verlag: Dark Kiss


Englisch
Taschenbuch/ 7,80€
Seiten: 268
Verlag: Harlequin





Es tut mir furchtbar leid, aber das ist einfach kein Roman für mich.


Kurzbeschreibung

Neuigkeiten verbreiten, über andere reden Gossip-Girl Chelsea liebt es. Als sie auf einer Party Zeugin einer intimen Situation wird, erzählt sie natürlich allen davon. Mit schrecklichen Folgen: Ihr Freund Noah wird so zusammengeschlagen, dass er im Koma landet; die Polizei ermittelt; und Chelsea wird von allen gemieden. Um ihren Fehler nicht zu wiederholen, legt sie ein Schweigegelübde ab, genau wie der buddhistische Mönch, über den sie gelesen hat. Einen Monat will sie schweigen, in der Schule und zu Hause. Manche hassen sie dafür aber plötzlich öffnen sich in ihrer stillen Welt Türen: zu einem wunderbaren Jungen, zu Menschen, die ihr verzeihen könnten. Vorausgesetzt, sie kann sich selbst verzeihen.
Buchgestaltung
Ein blankes Cover, schneeweiß, bis auf den Titel. Beschreibt sehr gut die Thematik des Buches und besticht durch seine Einfachheit. Irgendwie mag ich es.
Meinung

Ich habe mir wirklich lange Gedanken darüber gemacht, wie ich das Buch am besten beschreiben kann. Bisher habe ich kaum eine schlechte Meinung gelesen, schon gar nicht auf Amazon & Co und ich weiß, dass Leute wie ich, die ein solch umschwärmtes Buch mögen, es nie leicht haben, aber so ist es nun einmal. Ich habe Speechless bis zur letzten Seite gelesen, aber leider konnte ich dem Buch kaum etwas abgewinnen.

Angefangen hat alles mit dem Schreibstil. Hanna Harrington hat meiner Meinung nach eine ziemlich eigenartige oder einzigartige Weise zu schreiben, je nachdem wie man es betrachtet. Die Sätze sind teilweise sehr kurz und verdreht und manchmal fehlen sämtliche Beschreibungen der Handlungen zwischendurch. Ich muss nicht jede Detail vor Augen haben, aber ab und zu hatte ich das Gefühl die Geschichte würde durch die fehlenden Brücken „springen“ und das hat mich sehr gestört. Dazu kam, dass die Erzählweise so schlicht war, dass ich sie fast kindlich fand. Ich verachte keinen lockeren, flüssigen Schreibstil, weil man Romane dadurch rasch und gut lesen kann, aber hier waren mir die schmucklosen Sätze einfach zu wenig.

Was im starken Kontrast dazu steht sind die Dialoge. Das Buch lebt praktisch davon. Wie? Das fragt ihr euch sicher, da das Buch doch von einem schweigenden Mädchen handelt. Tja, dazu kann ich nur sagen „Zettel-Unterhaltungen“ - übrigens DIE Sache schlechthin, die mich wirklich wahnsinnig gestört hat. Chelsea legt ein Schweigegelübde ab, nur um daraufhin alles aufzuschreiben, was sie anderen mitteilen möchte. Ob in der Schule oder zu Hause, sie schreibt fast alles auf, dass sie über lang oder kurz los werden möchte und da musste ich mich natürlich nachdem Sinn der Handlung fragen. Mal ehrlich: Wieso ein Schweigegelübde ablegen, dessen Bedeutung wahrlich tiefgründig sein kann, wenn man auf anderen Wegen kommuniziert? Es war doch der Sinn des Ganzen Kommunikation einzuschränken und für mich hat das die Thematik des Buches wirklich verdorben.

Leider konnte auch der Anfang wenig bei mir punkten, denn das große Geheimnis, um das im Klappentext Aufsehen erregt wird, stellte sich meines Erachtens nun wirklich als eines der High School Klischees schlechthin heraus. Dass sich eine ganze Partymeute dazu noch mal eben zusammenschließt, um einen Jungen zu verprügeln, dessen Name sie bis vor der fetten Enthüllung nicht mal kannten, erschien mir auch ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Leider ging es mir so hauptsächlich auch mit dem Rest der Handlung. Immer wieder wird Mobbing als Thema angeschnitten, aber ich persönlich finde, dass dieses sehr schlecht dargestellt wurde. Chelsea hat Probleme in der Schule, wird von Mitschülern wegen ihres Handelns geschnitten und verurteilt und so leid es mir tut, aber das ist für mich kein „seelisches Zerstören“, sondern ganz einfach das Schulleben. Kein Mensch kann von sich behaupten in der Schule immer perfekt klargekommen zu sein und jeder musste in seinem Leben sicher mal den ein oder anderen Spruch weg stecken, aber Chelsea wird hier nicht konsequent schlecht behandelt. Dazu kam auch noch, dass ich ihre „Freunde“ wirklich gut verstehen konnte, denn wäre mir jemand so in den Rücken gefallen, dazu noch so dermaßen oberflächlich und egoistisch, dann käme auch ich nicht umhin dieser Person mal ordentlich die Meinung zu geigen.

Sicher, die Art und Weise, wie hier einige Dinge von Statten gegangen sind, waren etwas unschön, aber im Großen und Ganzen hat das Buch für mich eher aufgesetzt als realistisch gewirkt. Bücher über Mobbing sollten besser recherchiert werden oder vielleicht von Menschen geschrieben, die es am eigenen Leib erlebt haben. Sollte das jetzt bei der Autorin der Fall sein, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, was sie sich hier zusammengereimt hat. Natürlich hat jeder ein unterschiedliches Empfingen, was Beleidigungen angeht, aber, wenn man Fehler begeht, dann sollte man dazu stehen und nicht für immer in Selbstmitleid baden.

Für meinen Geschmack hat sich das Buch auch viel zu sehr mit Chelsea beschäftigt als mit dem eigentlichen Verbrechen, was sie begangen hat. Ich hatte viele Konsequenzen erwartet und eine packende Story, aber die ganze Sache mit dem Vergeben und Vergessen konnte mich nicht im mindesten berühren, weil die Protagonistin kaum etwas dafür tun musste. Noch besser: Statt sich wirklich den Kopf zu zerbrechen lernt sie neue Freunde kennen und konzentriert sich auf eine Liebesgeschichte mitten im Buch. Und dann befürchtet sie auch noch, dass man sie nicht mehr mögen könnte, wenn sie wieder spricht? Da kann ich der Guten nicht so ganz Unrecht geben, denn alles in allem ist Chelsea ein sehr austauschbarer und flacher Charakter gewesen, der mit Null Persönlichkeit aufweisen konnte.

So waren auch die Nebencharaktere ausgestattet, die allein von Labels leben mussten: Der Schwule, die Elten, die Zicke...das fand ich sehr schade und hat mir das Buch nur noch mehr verdorben. Wo die Handlung nun berührend oder lehrreich sein soll, konnte ich selbst Wochen nach Beenden nicht herausfinden, da mag es noch so viele 5-Sterne-Wertungen für den Roman regnen. Chelsea macht keine wirklich Entwicklung durch und blieb mir einfach konsequent unsympathisch. Jemand, der so Ich-bezogen durchs Leben geht kann mir wirklich gestohlen bleiben!

Erst gegen Mitte des Buches kamen zwei Charaktere ins Spiel, die meine Neugier wecken konnten und ich glaube, ein Perspektivenwechsel hätte dem Buch wahrhaftig gut getan. So hätte man vielleicht etwas über Chelsea gelernt, dass sie selber dem Leser nicht zeigen/mitteilen konnte. Das Ende des Buches hatte zudem einen guten Ausklang. Es war abgeschlossen und beantwortete einige Fragen, was ich als Pluspunkt ansehen. Und dann wäre da noch der Aspekt, dass ich trotz meinem Gemecker wirklich zu Ende gelesen habe. Das lag zum einen daran, dass man sich irgendwann in die Geschichte rein liest und den vielen Ansätzen, die nicht schlecht waren, zu meinem Bedauern aber nicht so toll umgesetzt.



Speechless ist kein Buch für mich gewesen. Der Schreibstil gefiel mir nicht, die Figuren erschienen mir zu blass und leblos und das Wichtigste von allen, dass worum es eigentlich gehen sollte, war eher eine lasche Botschaft als eine berührende Geschichte. Untermalt durch viele Störfaktoren – der Größte die egoistische Protagonistin selbst – konnte ich der Handlung kaum etwas abgewinnen.

Ich würde das Buch leider nicht weiter empfehlen.


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