Montag, 18. März 2013

[BUCHREZENSION] Wir sind verbannt






Titel: Wir sind verbannt
OT: The Way We Fall
Autor/in: Megan Crewe
Genre: YA Fantasy
Buchreihe: Fallen World #1








Megan Crewe lebt mit ihrem Mann und ihren drei Katzen in Toronto, Ontario. Sie arbeitet mit Jugendlichen aus benachteiligten Familien. Und das schlimmste Virus, das sie je befallen hat, ist glücklicherweise das Gärtner-Virus.





Deutsch
Gebunden/ 16,99€
Seiten: 448
Verlag: FJK


Englisch
Gebunden/ 12,80€
Taschenbuch/ 6,99€
Seiten: 320
Verlag: Hyperion







Eine bekannte Idee, neu verpackt :)


Kurzbeschreibung

Die eigene Haut retten oder gemeinsam kämpfen? Ein nervenaufreibender Thriller nicht nur für Jugendliche, der uns ahnen lässt, wie flüchtig das ist, was wir Normalität nennen.
Es beginnt mit einem Jucken. Dann kommt das Fieber. Etwas später verrätst du allen deine Geheimnisse. Nach drei Tagen machen Halluzinationen dich völlig paranoid. Und dann … bist du tot. Kaelyn und Leo leben auf einer kleinen Insel. Nach einem Streit lässt Kaelyn Leo ohne Abschied aufs Festland ziehen, und kurz darauf – breitet sich ein gefährliches Virus aus! Menschen sterben. Die Insel wird unter Quarantäne gestellt, Kontakt zur Außenwelt gibt es nicht mehr. Die Gesunden streiten um die schwindenden Vorräte. Wird Kaelyn Leo jemals wiedersehen? Hat sie eine Chance zu überleben?
Buchgestaltung
Ich mag beide Cover sehr gerne. Sie passen beide sehr gut zum Roman. Bei der deutschen Ausgabe ist der tote Vogel abgebildet, der das erste Anzeichen für den Virus gibt, auf dem Englischen im Schriftzug ein Mädchen, das einen Weg begeht, der von der Insel weg führen soll. Ich könnte nicht sagen, welches mir besser gefällt :)
Meinung

Zugegeben, in diesem Roman wird eine Idee verwendet, die alles andere als neu ist, aber trotzdem konnte mich die Autorin sehr überraschen. Besonders der Schreibstil und auch die Sichtweise haben die Geschichte so ganz anders gestaltet als erwartet. Die Protagonistin Kaelyn schreibt nämlich in Tagebuchform an einen Freund, der die Insel vor einiger Zeit verlassen hat. Als Leser merkt man, das etwas zwischen den beiden vorgefallen ist, weiß aber nicht genau was, was sehr spannend war. Während Kaelyn die Ereignisse beschreibt, die aufeinander folgen, ist die immer mitten im Geschehen und erst in Momenten der Schwäche und Trauer, erkennt man, das mehr hinter den Dingen steckt, die sie beschäftigen. Die Beziehung zwischen Kaelyn und Leo findet eigentlich gar nicht zeitnah statt, weil sie eben aus vergangenen Dingen besteht, die sie in ihrem Tagebuch kurz aufgreift und dennoch hat man als Leser das Gefühl in eine Art Liebesgeschichte hineinzurutschen, die ein böses Ende genommen hat. Dadurch, das Kaelyn keinen Love-Interest hat, der ihr praktisch die ganze Zeit vor der Nase sitzt, konzentriert sich das Buch wunderbar auf den Plot.

Wie alles anfängt weiß man durch den Klappentext schon, daher war der Einstieg in das Buch für meinen Geschmack etwas zu lang. Das Virus braucht erst einmal seine Zeit, bis es ausbricht und das ganze Drumherum musste natürlich beschrieben werden, hat mir aber nicht so gut gefallen. Dafür war die Atmosphäre des Buch sehr gelungen. Die Erzählgeschwindigkeit hier ist etwas langsamer, dafür aber umso melancholischer. Stück für Stück geschehen die schrecklichen Dinge, die viele Menschen das Leben kosten, so auch einige aus Kaelyns Umkreis. Die Autorin hat sich große Mühe gemacht, den Alltag authentisch zu beschreiben und das war ein großer Pluspunkt. Gerade, weil hier alles so realistisch ist, konnte ich mir gut vorstellen, das so eines Tages auch die Realität aussehen könnte :/ Weil das Ganze auf einer Insel spielt, sind die Handlungsorte begrenzt, aber das mochte ich ebenfalls. Die Geschichte verläuft in einem überschaubaren Rahmen und gerade, weil es keine Möglichkeit mehr zur Flucht gibt, nachdem Quarantäne ausgerufen wurde, ist die Gefahr noch unausweichlicher vorhanden.

Kaelyns Charakter lernt man sehr gut durch die Ich-Perspektive kennen. Zu Beginn fand ich sie etwas träge, aber die vielen Wendungen im Buch locken ihre verborgenen Eigenschaften sehr gut hervor. Schnell merkt man, das sie klug ist und ums Überleben kämpfen wird. Durch das Auftauchen eines neuen Charakters, bringt die Autorin auch gleichzeitig wieder etwas Hoffnung mit ins Spiel. Wie genau diese aussieht, will ich nicht verraten. Ich bin sowieso der Meinung, das man die Geschichte auf sich selber wirken lassen sollte, denn ich kann das Unglück, die Verzweiflung und die Verluste kaum in Worte fassen, die Kaelyn durchleben muss.

Das Buch hat mich sehr oft traurig gestimmt, weil der Virus und das daraus resultierende Chaos viele Menschenleben fordern. Dabei geht es hier nur an wenigen Stellen blutig und gewaltsam vor. Es ist vielmehr Kaelyns Stimme, die im Leser die Traurigkeit weckt, die sie selber verspürt, bei dem Anblick, der sich ihr bietet.

Von der Handlung her ist das Buch nicht abgeschlossen. Vielmehr bietet die Autorin am Ende einen Cliffhänger, gerade, als ich dachte, dass endlich etwas Ruhe und Frieden einkehren würde. Es bleibt also spannend! Ansonsten bietet das Buch viel Tiefgang bei den Charakteren, Spannung in Form von Gänsehaut Faktoren, weniger in Action und jede Menge kleine Sequenzen, die einem das Herz zerreißen können.

Mein einziger Kritikpunkt am Gesamtkonzept ist die Langatmigkeit, die sich zuweilen etwas breit macht. Das Buch verliert nicht direkt seinen roten Faden oder dergleichen, aber besonders Anfang und Ende des Romans weichen ausführlichen Gedankengängen und Beschreibungen, an Stellen, an denen ich mir als Leser etwas mehr Perspektive gewünscht hätte, da man eben nur Kaelyns Sicht folgt.




Ein ruhiges, atmosphärisches Buch, das mich besonders durch den Schreibstil und die unvorhergesehenen Wenden überzeugen konnte. Ganz anders als erwartet, bietet die Autorin keine Actionreiche, dafür aber tiefgründige und melancholische Geschichte über Liebe und Freundschaft in Zeiten der Not und des Todes.





Die englische Ausgabe ist bereits erschienen. Die deutsche Übersetzung wird 
"Wenn wir fliehen" heißen und noch dieses Jahr erscheinen.



Für dieses Rezensionsexempar! :)

Kommentare:

  1. Beim Wort Thriller denke ich eigentlich immer erst mal, das ist nichts für mich, aber das Buch hört sich auch ein wenig distopisch an? Leider hört es sich auch ein wenig langweilig an, weswegen ich wahrscheinlich erst einmal auf deine Meinung zum zweiten Band warten, wenn du den denn lesen wirst. Wenn der dich dann richtig begeistern würde, würde ich das Buch wahrscheinlich auch lesen, aber so hört es sich erst mal etwas uninteressant an...

    LG FantasyBookshelf

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  2. Irgendwie kannte ich von diesem Buch bisher immer nur das Cover. Aber jetzt wo ich mal die Kurzbeschreibung und deine Review gelesen habe... mmmhhh, das klingt gar nicht mal schlecht. Obwohl ich momentan irgendwie der Contemporary Ecke verfallen bin und weniger solche Romane lese. Also erst mal rauf auf die Wunschliste und sehen, ob ich nicht mal Lust auf die Story bekomme. Was die Langatmigkeit betrifft, wäre ich dann mal gespannt. Weil du ja gleichzeitig schreibst, dass der Schreibstil und die Stimmung schon gut rüberkommen. Das mag ich! Zu langatmig darfs auf den ersten Seiten aber auch nicht werden, wo ich doch immer so schnell aufgebe und dann zu einem anderen Buch greife. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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